So entsteht ein Gericht – kleine Anleitung Teil 1

Pünktlich zum neuen Jahr gibt es hier für mich eine Premiere! Mein erstes eigens entwickeltes Gericht.
Rezepte habe ich mir schon viele selbst überlegt. Aber für mich ist ein Gericht kein Rezept, sondern ein Zusammenspiel aus vielen Rezepten, die am Ende dann ein Gericht ergeben. Und bestenfalls ist dieses Gericht dann eine Symphonie für den Gaumen!

Aber wie lasse ich so ein Gericht entstehen? Gibt es da eine allgemeine Formel, die ich anwenden kann?
Ich möchte hier auf meinem Blog in den nächsten Einträgen mehr auf dieses Thema eingehen. Darauf, wie man beim Planen eines Gerichtes anfängt. Darauf, wie man herausfindet, was zusammenpasst – und was nicht. Und darauf, wie man mit Texturen spielen kann etc.
Dazu werden ich diesem – und natürlich auch den nächsten Beiträgen – einer Gliederung unterziehen, damit das alles nicht so im Raum herumfliegt und man den roten Faden sucht – den musste man zu Schulzeiten auch schon immer genau einhalten. Da lernen wir, dass doch nicht alles aus der Schulzeit blöd war 😀

Hier nun die Gliederung für die nächsten Beiträge:

Einleitung zum Thema: Wie entwickel ich mein eigenes Gericht?

Hauptteil:
• Aller Anfang ist schwer
◦ Welcher Gang soll es werden?
◦ Für wen koche ich?
◦ Wie viel Zeit habe ich?

• Elementare Fragen
◦ Was ist die „Hauptperson“ meines Gerichtes?
◦ Welche Lebensmittel passen zu meiner „Hauptperson“?
◦ Auf welche Weisen kann ich meine Lebensmittel Garen – Stichwort Texturen?
◦ Was brauche ich für Geräte und Eigenschaften dazu?

• Jetzt nimmt es Gestalt an
◦ Wie will ich anrichten?

Zum Schluss nochmal das wichtigste in Kürze.

Einleitung zum Thema: Wie entwickel ich mein eigenes Gericht?

Draußen ist es dunkel, das Licht innen ist warm und leicht gedimmt – gerade so, dass man noch alles sehen kann und das Licht für einen arbeitet und nicht gegen Einen.
Du sitzt an einem schönen Tisch, der mit einer blütenweißen Tischdecke bedeckt ist. Die Gläser glitzern im Licht, das Besteck liegt poliert auf dem Tisch, die Serviette ist zu einem kleinen Kunstwerk gefaltet und eine kleine Kerze flackert am Tisch fröhlich vor sich hin.
Du blickst langsam auf und vor dir sitzt dein Partner. Extra schick angezogen für dich und den Abend. Ihr schaut euch tief in die Augen und genießt die Zeit. Gerade gibt es keinen Stress, ihr habt Zeit, Zeit für euch, Zeit euch mal wieder zu unterhalten, Zeit zu zweit.
Und dann kommt es. Das Essen! Der Kellner bringt zwei wundervoll gestaltete Teller, die eher einem Kunstwerk ähneln.
Andächtig schaut ihr auf das Kunstwerk vor euch und fang an es zu genießen.

Genau dieser Moment ist es, den ich am Essen so liebe! Natürlich ist das leider die Ausnahme, aber dieser Moment ist es, der mich jeden Tag aufs neue wieder antreibt selber immer besser und besser kochen zu können, denn ich will selber daheim auch Essen, wie in einem tollen Lokal. Ich will mich auch so über mein Gericht freuen, wie in einem tollen Restaurant.
Für mich ist Essen nicht nur „satt werden“, sondern die Freude am kochen und die Freude an Lebensmitteln und vor allem auch eine Zeit am Tag, an der ich Zeit für mich – und wenn Mr. Bee mal nicht arbeitet – und Zeit für uns habe. Man kann sich über den ganzen Tag unterhalten und die Zeit genießen.

Um so ein Kunstwert daheim selber zu erschaffen braucht man etwas Übung, etwas Zeit und vor allem einen Leitfaden. Dann ist auch das kein Hexenwerk!

Bevor ich jetzt hier anfange und euch meinen Leitfaden präsentiere, muss ich natürlich noch sagen, dass ich keine Köchin bin, ich auch nie einen Kochkurs gemacht habe und alles, was ich euch hier erzähle auf meinen Erfahrungen und meinem Wissen beruht.

erbse-pastinake-speck-schinken-brunnenkresse-1

Aller Anfang ist Schwer

Welcher Gang soll es werden?

Bevor ich auf die hier gestellte Frage eingehe, möchte ich – der Einfachheit halber – die jetzt folgenden Fragen anhand eines Beispiels präzisieren. Als Beispiel dient mein Premiere – Gericht: „Erbse, Pastinake, Speck, Schinken, Brunnenkresse“.

Ganz am Anfang steht natürlich einmal die Frage, welchen Gang will ich denn überhaupt Kochen?
Soll mein Gericht in ein Menü eingebettet werden, oder steht es als Hauptgang oder vielleicht kleines Mittagsessen ganz für sich?
Wieso ist das wichtig?
Ganz einfach!
Die Frage nach dem Gang ist erst mal eine ganz profane. Soll es denn süß oder salzig werden? Im Anschluss stellt sich dann gleich die Frage: Wie groß soll die Portion sein?

Es ist natürlich wichtig zu wissen, wie groß die Portion sein soll – nicht nur um es bei einem Menü auch dem richtigen Gang zuzuordnen – sondern, weil sich danach auch wie Zutaten etwas verändern.
Eine Vorspeise, die zum größten Teil aus Fleisch und einer deftigen Beilage besteht, ist als Vorspeise nur bedingt geeignet. Ebenso ist ein Salat mit etwas Speckstreifen ein eher ungeeigneter Hauptgang.
Ich will damit sagen, dass es nicht nur wichtig ist zu wissen, wie VIEL auf den Teller kommt, sondern auch WAS und dazu ist es wichtig zu wissen, welcher Gang das Gericht in dem Menü dastellen soll, oder ob das Gericht komplett für sich alleine steht.
Sollte das Gericht für sich alleine stehen, ist auch wieder wichtig zu wissen, wann gegessen wird und wie viel Hunger die Esser haben.

In meinem Fall habe ich mich für eine Vorspeise entschieden. Diese Vorspeise sollte nicht in ein Menü eingebettet sein. Ich musste also nicht darauf achten, dass ein „roter Faden“ durch das Gericht geht, den man dann im Menü wiederfinden sollte.
Mir war wichtig, dass man – trotz dem, dass es nur eine Vorspeise ist – satt wird. So kann das Gericht auch ohne weiteren Hauptgang auskommen und als kleines Mittagessen genutzt werden.

Für wen koche ich?

Der Ein oder Andere wird sich fragen, warum es wichtig ist zu wissen, für wen ich koche?! Aber das ist eine sehr wichtige Frage. Es geht hier nicht darum jedem eine Extrawurst zu kochen, sondern sich zu fragen, was braucht und will derjenige, den ich bekoche. Man muss sich also die Fragen stellen: Koche ich für einen Mann, oder eine Frau? Koche ich für einen Sportler oder einen Mensch, der beruflich viel Zeit im Sitzen verbringt. Koche ich für einen Vegetarier, Veganer oder Fleischesser? Koche ich vielleicht für einen Allergiker, oder für jemand, der eine Unverträglichkeit hat?
Die Frage, die sich auch stellt ist, was braucht der Körper der Person, die von mir bekocht wird?

Manch Einer denkt jetzt, dass das ein bisschen zu übertrieben. Das kann stimmen, aber ich finde es sehr wichtig.
Die Frage nach dem „für WEN koche ich?“ ist wichtig, weil ich weiß, wie viel und vor allem was, auf den Teller muss.

Ich koche ganz anders, wenn ich weiß, dass mein Gast/Mann/Freund(in) etc. sehr viel körperlicher Arbeit nachgeht und daher großen Hunger hat.
Da muss nicht nur die Portionsgröße angepasst werden, sondern auch die Zutaten.
Ganz anders ist es aber, wenn mein Gast viel am PC sitzt, wenig Zeit hat sich körperlich zu verausgaben. Derjenige hat auch Hunger, aber ganz anders.
Auch hier ist die richtige Wahl der Lebensmittel wichtig.

Ihr seht also, dass die Frage wichtig ist – grade auch, wenn es um das Thema Allergien und Unverträglichkeiten geht.
Dieses Thema habe ich hier nur kurz angeschnitten. Man könnte sehr viel dazu schreiben, aber ich denke es ist einfach wichtig kurz darüber nachzudenken und sich diese Thematik etwas bewusster zu machen.

Bei meinem Gericht, war mir wichtig ein Essen zu kochen, was leicht ist und man auch gut essen, kann, wenn man sich eben nicht grade viel bewegt.
Das hat folgenden Hintergrund. Mr. Bee und ich sind beide über die Feiertage krank geworden und hatten daher wenig Zeit uns viel zu bewegen. Stattdessen haben wir – wie wahrscheinlich jeder um die Weihnachtsfeiertage – viel Fleisch und Fettlastig gegessen.
Dem wollte ich mit dem Gericht entgegen wirken.
Die Menge sollte gerade so viel sein, dass man nicht mehr hungrig ist, aber auch nicht so viel, dass man wieder mit einem vollgestopften Bauch auf der Couch herumliegt.
Wichtig waren mir aber auch Vitamine und daher eine schonende Art die Lebensmittel zu garen, damit so viele wie möglich überleben.

Wie viel Zeit habe ich?

Dazu muss ich wohl nicht viel sagen. Ich denke darüber macht sich jeder Gedanken.
Ich wollte es hier nur erwähnen, weil es doch wichtig ist.
Es geht nämlich nicht nur um die reine Arbeitszeit, sondern auch um die Frage des Servierens.
Ein Beispiel: Ich habe 10 Leute um 20 Uhr zum Essen eingeladen. Ich habe den ganzen Tag frei und habe mir ein 3 Gänge Menü überlegt. Die 3 Gänge lassen sich super in der Zeit zubereiten.
Doch dann kommen meine Gäste. Man setzt sich nett zusammen redet etwas und muss dann in die Küche. Jetzt ist die Frage?! Will ich das Essen schon vorbereitet und griffbereit haben? Oder will ich die Gänge, Gang für Gang abarbeiten und immer wieder dazwischen kochen?
Alles hat seine Vor- und Nachteile.
Wenn ich viel Wert darauf lege mit meinen Freunden Zeit zu verbringen und ich alles schon vorbereitet haben möchte, dann schränkt mich das in der Rezeptsuche sehr ein. Dafür habe ich keinen Zeitdruck mehr während den Gängen und sehr viel Zeit für meine Freunde/Gäste.
Lege ich hingegen viel Wert auf frische und grenzenlose Rezeptvielfalt muss ich in den sauren Apfel beißen und zwischen jedem Gang in die Küche zum kochen. Aber auch hier spielt dann das Thema Zeit eine wichtige Rolle.
Die Zeit zwischen den Gängen sollte nicht so lange sein, dass meine Freunde um 00:00 Uhr noch immer keine Nachspeise haben.

Ihr seht also, dass das Thema Zeit beim kochen sehr wichtig ist, vor allem auch um ein gutes Produkt auf den Teller zu zaubern.
Ihr solltet also ausreichend davon haben um alles vorzubereiten und auch um dem Lebensmittel die Zeit zu geben, die es braucht um Perfekt zu werden.

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So der Anfang meiner kleinen Reihe wäre gemacht. Das nächste Mal geht es dann ans Eingemachte. Und da wird dann auch das Rezept hinter diesem Gericht gelüftet.
Ich hoffe euch gefällt das Thema und ihr habt so viel Freude beim Lesen, wie ich beim schreiben.

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Ein Gedanke zu “So entsteht ein Gericht – kleine Anleitung Teil 1

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